Niederlage dahoam: Was vom Fußball übrig blieb

Champions League Finale 2012

Selten waren sich Fans so einig: Das war die unverdienteste Niederlage eines Fußballspiels wie das, was gerade zu Ende gegangen war. Auch mir ging es damals so, an diesem 19. Mai 2012 zu München. Eine Rückblende.

Es passte alles zusammen: Die Stimmung in der Stadt war grandios, viele Geschäfte hatten sich rot-weiß herausgeputzt, um ihre Sympathie und die damit einher gehende Hoffnung auf ein großes Spiel und den richtigen Gewinner zu demonstrieren. Und alle waren sich einig: Aus diesem Duell FC Bayern München vs. FC Chelsea darf und kann es nur einen Gewinner geben: #nurderfcb.

Der Rahmen passte also, so gesehen konnte gar nichts schief gehen. Okay, in der Liga lief es nicht so rund, dort dominierte Dortmund das Geschehen, aber in der Champions League war der FC Bayern eine andere Mannschaft, versprühte dort einen anderen Geist als in der heimischen Liga. Warum auch immer.

Wir trafen uns früh im Taxisgarten zu München, um dem Fußballereignis in angemessener Weise zu frönen. Weißbier und Schweinsbraten waren unsere Vorspeise, glaube ich, die Lust machen sollten auf den Hauptgang, der ab 20:45 Uhr gereicht werden sollte. Und es sollte ein 3-Sterne-Menü werden. Wenn da nicht diese unsägliche Nachspeise gewesen wäre, die uns das komplette Abendmahl versaute.

Bis kurz vor Schluss schmeckte es gar köstlich. Die Bayern führten dank eines Kopfballtreffers des großartigen Thomas Müller, und selbst Marcel Reif, der nicht als ausgewiesener Bayernfan bekannt ist, sprach zur Wiederholung des Kopfballtreffers die für ihn milden Worte: „Wenn Sie ein verdientes Tor sehen wollen – hier bitte, da ist es!“.

Doch dann musste Josef „Jupp“ Heynckes den vermeintlichen Held von München, T. Müller, vom Platz nehmen, da dieser von Wadenkrämpfen heimgesucht wurde. Für ihn kam Daniel van Buyten, und mit ihm änderte sich die taktische Grundaufstellung. Tja, und die nutzte Chelsea in Person von Didier Drogba gnadenlos aus. Denn mit der allerersten Ecke der Engländer wuchtete der Ivorer Drogba das Runde in das Eckige.

Wer dachte da nicht sofort an Barcelona 1999, als ein gewisser Ole Gunnar Solskjær in der dritten Minute der Nachspielzeit den Bayern im Champions-League-Finale den tödlichen Dolchstoß versetzte. Also, ich nicht, zu sicher war ich mir, dass die Bayern es trotzdem noch schaffen. Zu überlegen hatten sie gespielt in diesem „Finale dahoam“. Und es waren ja noch 30 Minuten Zeit.

Und in der Tat, in der dritten Minute der Verlängerung gab es diese hundertprozentige Chance in Form eines Elfmeters. Ribéry wurde gefoult, und Arien Robben schnappte sich die Kirsche, um dieselbe im Londoner Tor zu versenken. Dabei hatte er wenige Wochen zuvor gegen den BVB einen vorentscheidenden Elfer nicht im Kasten untergebracht. Er lief an – und verschoss!

Doch selbst nach dieser unglücklichen Szene hatten die Bayern noch genügend Torchancen, doch keine sollten sie verwerten können. Und so kam es tatsächlich zum Ultima Ratio, zum unglücklichsten Ende eines Fußballspiels. Bastian Schweinsteiger setzte im Elfmeterschießen den fünften Schuss an den Pfosten, Drogba traf, Chelsea war Champions-League-Sieger 2011/2012. Und alle, alle waren sich einig: Das ist nicht gerecht.

Doch was ist schon gerecht im Fußball.

Michael Hülskötter

Ich bin Blogger und Fußballfan, und beides aus Leidenschaft. Genau aus diesem Grund ist das Blog entstanden, denn ich will endlich auch mal über Fußball schreiben. Und zwar so, wie es mir gefällt.

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