FC Bayern vs FC Barcelona

Erkenntnisse einer schmerzhaften und überflüssigen Niederlage

Meine Vorfreude auf das Halbfinal-Hinspiel zwischen FC Barcelona und dem FC Bayern war richtig groß, wenngleich ich gewisse Zweifel hegte, ob  Messi & Co. angesichts der personellen Misslage der Bayern nicht eine Nummer zu groß sind. Optimistisch wie immer hatte ich trotzdem auf ein Unentschieden mit je einem Tor auf beiden Seiten getippt. Leider lag ich damit etwas daneben, selbst wenn es lange nach meinem Wunschergebnis aussah.

Hälfte eins: ein echter Hoffnungsmacher

Die erste Hälfte war wirklich ein Hoffnungsmacher. Die Bayern hatten Barcelona von ein, zwei Szenen abgesehen (vor allem die Weltklassechance von Suarez nebst Weltklasseparade von Manuel Neuer) ganz gut unter Kontrolle. Das hatte vor allem mit dem schnellen Systemwechsel seitens Guardiola von meinem prophezeiten 5-3-1 auf ein deutlich stabileres 4-2-3-1 zu tun. Beide Taktikgebilde waren eher defensiv ausgerichtet (was sich auch in der Zahl der Torchancen seitens der Münchner widerspiegelte), Barcelona kam aber in Hälfte eins nicht so häufig zu guten Abschlussgelegenheiten wie befürchtet erwartet.

Das setzt sich in Halbzeit zwei dann auch so fort, und die Bayern hatten zwischenzeitlich sogar ein leichtes Übergewicht im Mittelfeld. Wovon man sich allerdings leider nichts kaufen kann, vor allem dann nicht, wenn sich keine Torabschlüsse generieren lassen. Lewandowski war ziemlich auf sich alleine gestellt, von Thiago kam zu wenig, Müller war blass, und Schweinsteiger hatte auch nicht seinen besten Tag. So kann man gegen den FC Barcelona einfach keine Tore schießen.

Schlampig- und Müdigkeiten = drei Tore

Tja, und dann schlichen sich sukzessive Nachlässigkeiten und schlampige gespielte Pässe ein, was wohl auch mit ersten Ermüdungserscheinungen zu tun hatte. Anders lässt sich die Anhäufung von Fehlern vor dem 1:0 durch Messi nicht erklären. Genauso war es beim 2:0 und 3:0. Klar, Barcelona kann man nicht 90 Minuten lang fehlerfrei verteidigen, aber drei Tore in rund 14 Minuten ist alles andere als erklärlich.

Und doch gibt es Erklärungen, und die werden Guardiola und Sommer hoffentlich schnell und bald finden. Zu schwer wogen die Ausfälle und Robben und Ribery , vor allem in der Offensive. Dass Marc-André ter Stegen während des gesamten Spiels keinen einzigen, richtigen Ball halten musste, sagt alles über das Nicht-Vorhandensein von gefährlichen Stürmern des FC Bayern München im Mai 2015.

Neue Spieler müssen her – und zwar schnell

Was aber nicht bedeutet, dass es mit den beiden Edelfußballern zwangsläufig besser gelaufen wäre. Denn Robben und Ribery sind jenseits der 30 und werden in den nächsten ein, zwei Jahren (a) immer wieder verletzt sein und damit (b) nicht mehr die Spielfreude entwickeln können, die ein international konkurrierfähiger FC Bayern München braucht.

Aber, und das wiegt noch viel schwerer, ist dringend Bedarf auf der Stürmerpostition notwendig. Madrid und vor allem Barcelona sind hier Vorbild: Mit weniger als zwei, drei Weltklassespielern wie Messi, Neymar, Ronaldo, Bale und Co. kommst du heute nicht mehr aus. Das hat sogar Juventus Turin erkannt.

Daher muss man für die kommende Saison auf diversen Positionen fündig werden. Dazu gehört wie erwähnt der Sturm mit ein, zwei sehr guten Leuten. Dann muss für Robben und Ribery mittelfristig Ersatz gefunden werden (Götze ist es offenkundig nicht), und drittens ist ein weiterer guter Innen- und Außenverteidiger erforderlich. Denn dass Badstuber nochmal eine echte Größe bei den Bayern werden kann, möchte ich angesichts seiner Verletzungsanfälligkeit mehr als bezweifeln, und Boateng alleine kann es auch nicht richten. Und dass Benatia kein gelernter Innenverteidiger ist, konnte man gestern Abend gegen Barcelona sehr gut erkennen.

Neue Leute und vielleicht ein großes Fußballwunder

Was also bleibt von der zu hohen Niederlage gegen Barcelona als Erkenntnis? Nun, dass der FC Bayern neues Personal braucht, dass am kommenden Dienstag mehr als ein kleines Fußballwunder her muss und dass eine gewonnene Meisterschaft sowie zwei Halbfinale in einer Saison sehr, sehr respektabel sind. Aber wohl eben nicht für den FC Bayern München.

Michael Hülskötter

Ich bin Blogger und Fußballfan, und beides aus Leidenschaft. Genau aus diesem Grund ist das Blog entstanden, denn ich will endlich auch mal über Fußball schreiben. Und zwar so, wie es mir gefällt.

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